Heute titelt die Bild unter anderem mit: "Die Bundesliga müllert wieder los". Der Hinweis auf den Start der 67. Bundesliga Saison könnte ich mich an viele Sachen denken lassen, daran, dass St.Pauli wieder im Oberhaus (Belle Etage als Werner Hansch Gedächnis Terminologie) spielt, dass St.Pauli den Pflichtspiel Start im DFB Pokal mal so richtig verkackt hat (und im Büro allein unter Rothosen ist das Mitgefühl dafür eine äußerst knappe Ressource), die Verbindung mit Thomas Müller legt Gedanken an die vergangene WM nahe, an Südafrika, Vuvuzuelas (und die Frage, wieviele von denen es ins Bundesliga Stadion schaffen).
Aber ich denke an etwas anderes. Und das liegt wohl an meinem aktuell sehr hohen Konsum an TED Talks (von Christian , Pixelschubser aus Passion und Bildungsbürger aus Berufung, liebevoll als meine "TED Offensive" betitelt).
Das ein einzelne Spieler zum Sinnbild für die Vorfreude auf den Bundesliga Start wird, ist eigentlich erstaunlich, denn er ist ja nur ein Spieler in einer Liga von 18 Mannschaften mit Kadern um sagen wir mal 25 Spielern (lässt sich leichter Rechnen so); also einer von 450 Spielern. Trotzdem steht er dort, 20 Jahre alt, gerade mal in seiner 2. Profi-Saison.
Verständlich, wenn man seinen steilen Aufstieg, der gekrönt wurde mit einer spitzen WM, im Hinterkopf hat.
Leider wirft das eine Frage auf: "Was kann jetzt noch kommen?" Kann Thomas Müller (der Übrigens bei den Bayern einen Vertrag bis 2015 unterschrieben hat) einfach unbeeindruckt wieter aufspielen wie bisher und alle begeistern?
Oder wird er sich immer an der letzten Saison messen lassen? Und wenn er "nur" genauso gut ist, dann ist keiner davon mehr so beindruckt wie von dem (und die Geschichte haben Sie ja alle bei der WM zu Tote erzählt) Jungen aus Bayern, der sich in seiner ersten Saison unbeeindruckt an die Spitze des deutschen Fußballs gespielt hat und auch beim größten Sport-Event der Welt nicht fröhlich drauf los gespielt hat.
Eine ähnliche Frage wirf die amerikanische Autorin Elizabeth Gilbert in einem TED Talk auf, wie gehen wir mit Erfolg um und auch mit den (übersteigerten Erwartungen) die oft daraus resultieren.
Wenn ich einmal eine Bestseller hatte, werde ich dann immer daran gemessen und wie kann ich damit umgehen, wenn ich die Erwartungen nicht erfülle? Bin ich jetzt, obwohl ich gerade mal 40 bin und noch viele Jahre lang schreiben könnte schon am Zenith meiner Karriere?
Beispiele für Künstler, die an diesem Druck gescheitert sind (bei Ballkünstlern fällt mir spontan Sebastian Deisler ein) gibt es genug. Aber wie ensteht dieser Druck? Elizabeth Gilbert hat eine interessante und wie ich finde plausible Erklärung und einen Ansatz.
Auch wenn ich noch nichts von ihr gelesen habe, der TED hat mich beindruckt und ich wünsche ihr noch viele Bestseller (und Thomas Müller noch viele Tore, gerne gegen den HSV damit ich die Rothosen im Büro ärgern kann).
Der TED-Talk:
http://www.ted.com/talks/lang/eng/elizabeth_gilbert_on_genius.html